Kinderzuchtprogramm durch Leihmutterschaft?
Ein chinesischer Tech-Milliardär als „Zuchtmeister“ einer Mega-Familie – der Fall Xu Bo zeigt in brutaler Klarheit, wohin entfesselte Leihmutterschaft führen kann. Der Gründer des Gaming-Konzerns Duoyi Network soll mehr als 100 Kinder, möglicherweise sogar bis zu 300, über Leihmütter gezeugt haben, vor allem in den USA. Liberalere US-Regeln, ein schwach regulierter Markt und viel Geld machen es möglich: Aus Kinderwunsch wird Projekt „Dynastie“ – mit „hochwertigen Söhnen“ als bewusst geplanter Elitetruppe für sein Imperium.
Die Recherchen zeichnen das Bild eines Mannes, der sich selbst als „Chinas ersten Vater“ inszeniert und öffentlich davon spricht, mindestens 50 „hochqualitative“ Söhne zu wollen, die seine Unternehmen übernehmen und idealerweise mit den Kindern anderer Tech-Milliardäre – etwa Elon Musk – verheiratet werden sollen. Dahinter steht ein eiskaltes Menschenbild: Kinder sind nicht zuerst Personen mit eigener Würde, sondern Ressourcen für Status, Macht und genetische Optimierung. Die Berichte seiner Ex-Partnerin über nicht registrierte Kinder, fehlende Schulbildung und Misshandlung fügen dem ein düsteres Kapitel hinzu: Wo Leihmutterschaft zur „Brutstätte“ eines elitären Projekts wird, sind Grundrechte der Schwächsten schnell Makulatur.
Der Fall Xu Bo ist kein schräger Randfall, den man belächeln kann, sondern ein Warnsignal für die globale Leihmutterschaftsindustrie. Er macht deutlich, wie leicht reiche Männer mit Hilfe internationaler Agenturen, rechtlicher Grauzonen und unregulierter Märkte reale „Menschenzuchten“ aufbauen können – quer über Grenzen und Rechtsordnungen hinweg. Während Staaten über Ethik, Menschenwürde und Kinderrechte diskutieren, experimentiert eine kleine, superreiche Elite schon längst praktisch mit „Mega-Familien“, neuen Bürgerrechten (US-Pässe durch Geburt) und Machtprojektionen über Generationen.
Wer Leihmutterschaft nur als private Frage des Kinderwunschs behandelt, blendet diese Dimension aus. Der Fall Xu Bo zwingt dazu, unbequeme Fragen zu stellen: Wie viele Kinder darf ein Einzelner über Leihmütter in die Welt setzen? Darf Geld entscheiden, wer sich eine „Dynastie“ zusammenbuchen kann? Und wie kann eine internationale Rechtsordnung aussehen, die verhindert, dass Frauenkörper und Kinder zu Bausteinen elitärer Fantasien werden? Solange diese Fragen offen bleiben, bleibt Leihmutterschaft ein Einfallstor für genau jene Exzesse, die im Fall Xu Bo sichtbar werden – mit verheerenden Folgen für Frauen, Kinder und die Idee der Menschenwürde.



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