Bekannte Influencerin erwägt Leihmutterschaft
Louise Thompson ist ohne Frage eine schwer gezeichnete Frau – aber genau deshalb macht ihr Schritt in Richtung Leihmutterschaft sprachlos. Sie hat bereits ein Kind, überlebte eine lebensbedrohliche Geburt, lebt mit den Folgen massiver Komplikationen – und präsentiert dennoch öffentlich die Idee, nun eine andere Frau für eine weitere Schwangerschaft „einzusetzen“. Der unausgesprochene Subtext: Es gibt ein Anspruchsdenken, als stünde einem automatisch ein zweites, drittes oder „perfektes“ Kind zu, koste es, wen es wolle.
Damit verschiebt sich der Fokus: Statt die Grenzen des eigenen Körpers anzuerkennen und sich zu fragen, ob dieser Leidensweg vielleicht ein Stopp-Signal ist, wird die Schwangerschaft ausgelagert. Die Gesundheitsrisiken verschwinden aber nicht – sie werden nur verlagert: auf eine Leihmutter, deren Körper die gesamte Last trägt, mit allen Gefahren von Fehlgeburten, Kaiserschnitt, Langzeitfolgen und psychischer Belastung.
Problematisch ist auch das Signal, das in die Öffentlichkeit gesendet wird. Eine prominente Frau mit bereits einem Kind erzählt: IVF hat nicht wie erhofft funktioniert, also denke ich über Leihmutterschaft nach. Für viele Followerinnen in ähnlichen Situationen wirkt das wie eine normalisierte Eskalationsstufe: Wenn klassische IVF nicht reicht, dann eben Leihmutterschaft – anstatt einmal grundsätzlich zu fragen, ob nicht irgendwann der Punkt erreicht ist, an dem man akzeptiert, dass es kein Recht auf ein weiteres Kind gibt.
Die ethische Schieflage ist offensichtlich:
- Das bestehende Kind: Es kommt in der Erzählung fast nur als „Geschwister, das noch fehlt“ vor, nicht als eigenständige Person, die bereits da ist.
- Die Leihmutter: Sie bleibt unsichtbar – ein hypothetischer Körper im Hintergrund, der von vornherein als verfügbar mitgedacht wird.
- Das Wunschkind: Es erscheint als Projekt, das erfüllt werden muss, nicht als Person, deren Existenz nicht erzwungen werden kann.
Wer ernsthaft von Menschenwürde spricht, muss hier klar sagen: Es gibt kein Recht auf ein zweites Kind – erst recht nicht auf Kosten der Gesundheit eines anderen Menschen. Dass eine traumatisierte Frau in ihrer Verzweiflung nach jedem Strohhalm greift, ist menschlich nachvollziehbar. Aber daraus ein mediales Narrativ zu machen, in dem Leihmutterschaft als „nächster logischer Schritt“ nach IVF inszeniert wird, ist brandgefährlich. Es normalisiert ein System, in dem Leid nicht beendet, sondern nur umverteilt wird – von der bekannten Influencerin zur anonymen Leihmutter.

